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Selbst im Jahre 2021 haben die meisten Leute bei dem Begriff Met klebrigen, süssen Honigwein im Kopf, welcher in einer längst vergessenen Zeit getrunken wurde. Doch mittlerweile hat sich eine regelrechte Bewegung gebildet, welche, zumindest in den USA, mehr Mikro-Manufakturen hervorbringt als das Craft Bier. Alexander Eckert von der Metsiederei Eckert aus Zofingen ist ein heimischer Produzent, welcher aus purer Leidenschaft und dem Drang, einen erstklassigen Honigwein herzustellen damit angefangen hat, frischen Wind in den Markt zu bringen. 

Seine Gärstube ist vielleicht etwas versteckt, doch wenn man sie in Zofingen gefunden hat, möchte man gar nicht mehr weggehen. Tür auf, Treppe runter, nach rechts einen langen Gang entlang und schliesslich standen wir vor dem Schild „Metsiederei Eckart“ – hier wollten wir hin. Alexander empfing uns in seiner Siederei, die er erst vor wenigen Wochen neu bezogen hatte.

„Met ist ein Weltgetränk, das auch Kulturen miteinander verbindet“ 

Die Herstellung von Met ist recht simpel...

…oder doch nicht? Honig, Wasser und Hefe zusammenmischen und dann heisst es: warten. Von der Machart ist Met wie Wein. Der Alkoholgehalt entsteht aber nicht aus der Süsse einer Traube, sondern aus dem Honig. Ohne grossen Schnick Schnack bereitet Alexander seinen Met zu. Viele der Sorten gären zwei bis vier Monate im Stahltank und werden anschliessend pasteurisiert. Natürlich könnte er hier auch darauf verzichten, doch dann hätten wir eine Flasche Honigwein zuhause, die langsam aber sicher weiter vor sich hin gärt. Alexander lässt seine Weine auf zwei unterschiedlichen Wegen lagern: White Label sechs Monate, Black Label 12 Monate im Fass. Der Unterschied zwischen den beiden ist filigran, aber präsent.

Bourbon Whiskey Fass, Tannenspitzen und Kampot Pfeffer sowie Schweizer Eichenfass und Imkerhonig sind nur einige seiner Premium Produkte. Jeder einzelne Met bringt er auf seine eigene Art und Weise in die Flasche. Eine Abwechslung, welche die meisten von uns nur von Wein oder Whiskey kennen, doch der Honigwein hat so einiges zu bieten.

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Doch nun mal von Anfang an… 

Honigwein? Ist das nicht das Wikingergetränk? War das nicht das Mittelaltergetränk? Süsser roter Wein, den es auf Mittelaltermärkten zu kaufen gibt? Eines ist wohl klar: Metwein ist das älteste alkoholische Getränk, lange bevor es Bier oder Wein gab. Unter anderem diese festgefahrenen Meinungen haben Alexander dazu bewogen, seinen eigenen Honigwein herzustellen und das in einer Art, der nichts mit den mittelalterlichen Vorstellungen zu tun hat. In den USA ist der Honigwein die am stärksten wachsende Sparte und hat beinahe das Craftbeer abgelöst.

 

Auch in Polen, Ukraine und der Slowakei ist Met bekannt, weil es in diesen Regionen keinen Weinanbau gibt und die Menschen den Honigwein in ihre Kultur integriert haben.

Image by Mae Mu
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Das war aber noch nicht alles….

Alexander juckt es unter den Fingernägeln, denn er ist immer auf der Suche nach was Neuem.  Vier kleine Tanks stehen in seiner Siederei: Alles „Experimentierprojekte“, so nennt er sie.  

Mal kommen Kaktusfeigen mit hinein, sizilische Pflaumen und Weintrauben. Ein überraschendes Ergebnis hatte Alex mit Bananen, ja die gehen auch. Daraus ist ein saurer Met entstanden. Sehr zur Freude des Tüftlers, denn er wollte auch einmal einen sauren Met kreiert. Pét-Nat ist die Abkürzung für Pétillant Naturel und spielt auch in den Kellern der Metsiederei eine Rolle. Alexander möchte völlig naturbelassene und natürliche Honigweine herstellen, so wie man sie schon vor hunderten von Jahren hergestellt hat, einfach mit einem modernen Einfluss, seinem Einfluss.

Grundsätzlich gibt es aber so viele verschiedene Arten von Honig und unterschiedliche Stämme Hefe, dass es ihm wohl nie langweilig werden wird. 

Vom Hobby zur Passion zum Experten 

Alexander hat vor acht Jahren angefangen Met herzustellen. „Ursprünglich bin ich aus Stuttgart und dort habe ich auf dem Weihnachtsmarkt Met kennengelernt- als Alternative zum Glühwein“ Er war so fasziniert, dass man aus Honig Alkohol machen kann. Als er dann vor sechzehn Jahren in die Schweiz gezogen ist, habe er aktiv nach Honigwein gesucht, aber leider keinen Anbieter gefunden. Hier machte die Met-Not buchstäblich erfinderisch. Damals lebte er in Bern und mietete dort eine Siederei an und startete in die Selbstständigkeit. 

Alex verkaufte dann seinen Met an Spezialitätenläden, an Restaurants, die eher dem  Gourmetbereich angehörten und auch natürlich in verschiedenen Bioläden. Auf Messen und in Craftbeer-Shops kamen seine Kreationen auch immer gut an. 

 „Ist ja gut!“ hörte Alex bei Messen von den Probierenden. „Ist ja gar nicht pappsüss“ 

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"Bei Met geht es erst einmal darum Vorurteile zu brechen.“

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Nur nicht stehenbleiben

Alexander bewarb sich 2017 beim Mazer Cup (International Mead Competition, USA) und gewann mit seinem Norse Met in der Kategorie „traditioneller Met, halbtrocken“ die Silbermedaille. Auch an europäischen Wettbewerben nahm er teil und holte dreimal Gold bei der polnischen Kraft-Roku-Kraftbiermesse, die 2019 in Mead Madness Cup umbenannt wurde. Sein Antrieb war stets, ein Feedback über die Qualität seiner Kreationen zu erhalten. „Was kann ich noch besser machen?“   

 

 

Ich taufe dich auf den Namen…

Alexander vergibt nicht einfach nur Namen, er findet ein Wort, dass ihn an das Gefühl erinnert, das er hat, wenn er den Met zum ersten Mal probiert. Seine Kreation Norse Met erinnerte in an  Skandinavien mit all seinen Wäldern und der rauen Schönheit. Norse bedeutet „Nordmänner“. So entstand auch der Name Wilde Jagd, eben die herrliche Winterzeit. 

Milfion kommt aus dem gälischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Honig Wein“ und Hungg ist das berndeutsche Wort für Honig.  

Die Essenz des Honigweines

Was Alexander in Zofingen herstellt und verkörpert ist bemerkenswert. Durch einen Weihnachtsmarktbesuch kam er auf den Geschmack von Honigwein und schaffte es innerhalb von wenigen Jahren ein regelrechter Profi auf dem Gebiet des Honigweines zu werden. Seine Intention ist keinesfalls diejenige, zu warten bis der Met-Hype in die Schweiz überschwappt und sich dann auf seine Lorbeeren auszuruhen.

 

Nein, ganz im Gegenteil. Seine Honigweine hat er produziert und verkauft, als die meisten Menschen noch gar nicht wussten, dass man Met auch zuhause trinken kann. Alexander hat eine Philosophie und eine Passion, und die schmeckt man mit jedem Schluck seines Mets: absolut hochwertigen Honigwein herzustellen, ohne irgendwelche Kompromisse in Bezug auf Qualität und Produktion einzugehen und immer kreativ und innovativ bleiben. Hungg, Milfion und alle anderen sind Alexander und er gibt ihnen den Charakter. Probieren geht über Studieren - was den Met angeht stimmen wir diesem Sprichwort absolut zu. 

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